"Hinageshi" - einfach reinschlüpfen!

Ich arbeite gerade an ein paar recht komplexen Schnittmustern und brauchte irgendwie eine Pause. Also habe ich gedacht: Was ist wohl das einfachste Schnittmuster überhaupt? Okay, da fällt mir verschiedenes ein. Ein Rock mit elastischem Bund zum Beispiel. Letztlich wurde es dann eine Bluse mit Kimono- oder Fledermausärmeln. Kein Verschluss, keine Teilungsnähte, keine angesetzten Ärmel. Der Halsausschnitt wird mit einem Beleg versäubert, ein Schrägband geht aber auch, dann muss man tatsächlich nur ein einiziges Teil ausschneiden.

Hinageshi, (jap. 雛罌粟 "Klatschmohn") ist ein schöner Schnitt für gemusterte Stoffe, finde ich. Da muss man keine Motive auseinanderschnipseln.

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Schlupfbluse "Hinageshi"

Hinageshi (jap. 雛罌粟, Klatschmohn) ist eine ganz einfche, locker geschnitten Bluse mit Kimonoärmeln. Sie kommt ganz ohne Verschluss aus.

Schwierigkeitsgrad:

Tatsächlich ist Hinageshi für mich mal etwas ganz anderes. Wenn ich für mich einen Oberteilschnitt berechne, dann ist das Vorderteil immer deutlich breiter als das Rückenteil. Das liegt einfach daran, dass ich vorne für die Brust mehr Weite brauche. Vielleicht ist dir das auch schon aufgefallen, wenn du dir ein Teil im Schnittmacher berechnet hast. Bei Oberteilen aus dem Laden sind Vorder- und Rückenteil in aller Regel gleich breit. Das kommt dann hin, wenn man den Schnitt für eine eher kleine Oberweite anlegt.

Wenn man eher kurvig gebaut ist, passt das nicht ganz optimal, da die Weite eben nicht da sitzt, wo man sie braucht.

Jetzt ist ein Kimonoärmel nichts anderes als eine verlängerte Schulternaht. Und die muss natürlich vorne und hinten gleich lang sein, schließlich werden die Teile an der Stelle zusammengenäht. Das klappt aber nur dann richtig, wenn Vorder- und Rückenteil eben gleich breit sind. Andernfalls bekommt einer der Ärmel einen sehr seltsamen Winkel, wenn er mit der Seitenlinie verbunden wird.

Also ist bei Hinageshi das Vorder- mit dem Rückenteil identisch bis auf den Ausschnitt. Für mich selbst muss ich sagen: die Bluse ist kein Figurschmeichler für kurvige Frauen. In meinem Fall kommt noch ein Hohlkreuz dazu, im Rücken lassen sich Falten daher kaum vermeiden.

Aber sie ist wirklich wahnsinnig bequem, ohne schon wieder ein T-Shirt zu sein. Ich denke, ich werde sie gerne tragen. Tatsächlich könnte ich mir z.B. einen legeren Morgenmantel gut mit so einem Schnitt vorstellen. Ein Gürtel in der Taillie sorgt dann auch wieder für mehr Form. Das wäre glatt einen Versuch wert.

Okay, lange Reder kurzer Sinn, möchtest du Hinageshi mal ausprobieren? Dann besorg dir den Schnitt und lies weiter, wie Hinageshi genäht wird.

Hinageshi ist für dünne, leichte Stoffe wie gewebte Baumwolle oder Viskose angelegt.

Schneide das Hauptschnittteil zweimal zu. Beim Vorderteil kannst du den vorderen Beleg als Schablone für den Ausschnitt verwenden. Lege die beiden Teile mit der rechten Stoffseite (also die schöne Seite die später außen liegen soll) aufeinander, nähe die Schulter- und Seitennähte der Bluse zusammen und versäubere sie. Anstelle einer Overlock kannst du auch eine Zickzacknaht verwenden. Französische Nähte sind bei dünnen Stoffen meistens eine gute Idee, hier würden sie aufgrund der engen Kurve unter den Armen nicht gut funktionieren.

Schneide zusätzlich zu den beiden Belegen noch eine dünne, aufbügelbare Einlage zu und schneide sie etwas kleiner als die eigentlichen Belege. So klebt beim Aufbügeln nichts am Bügelbrett fest.

Versäubere anschließend die Schultern bei beiden Belegen und nähe Sie anschließend zusammen. Die Nähe werden auseinander gebügelt und die äußere Kante wird anschließend ebenfalls versäubert.

Stecke den Beleg dann rechts auf rechts an den Halsausschnitt, nähe ihn an und versäubere auch diese Kante.

Anschließend fehlt noch ein kleiner, aber wichtiger Schritt: Die Nahtzugabe wird an den Beleg angenäht. Nähe dazu mit ca 3 mm Abstand an der Nahtkante entlang. Danach wird der Ausschnitt gründlich gebügelt und du wirst sehen, dass der Beleg sich fast von alleine nach innen umlegt, so dass von außen keine Naht mehr zu sehen ist.

Du kannst den Beleg an den Schulternähten mit ein paar Handstichen festnähen, damit der Beleg nicht nach außen umklappt.

Jetzt müssen nur noch Ärmel und Saum umgenäht werden. Schlage erst die Nahtzugabe ein, und dann nochmal 2cm. Einmal gut bügeln und absteppen , und schon ist deine Hinageshi fertig!

Was sagst du zu so einem locken Schnitt ohne viel Schnickschnack? Hast du sowas schon im Schrank, oder ist es etwas Neues für dich?

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