Mittelalterliche Basics: Hemdkleid "Primula"

Mal sehn, wann hatte ich mein Projekt "mittelalterliche Gewandung" angekündigt? Oha, April! Na das hat ja gedauert, bis ich die ersten Ergebnisse vorzeigen kann. Ich muss gestehen, dass ich das Ganze immer wieder beiseite gelegt habe. Das erste Teil meiner Geqandung ist jetzt aber endlich fertig, und ich habe sogar komplett mit der Hand genäht. Das ist eine erstaunlich entspannende Tätigkeit Abends nach einem Tag am Computer. Finde ich zumindest.

Historische Schnittmuster sind für mich noch etwas ganz Neues. Ich bemühe mich um Authentizität, bin aber beim besten Willen keine Expertin. Also, wenn ich hier etwas falsch darstelle, korrigiert mich gerne. ;)

Das absolute Basic im Mittelalter war ein Hemd, auf englisch "shift", das man unabhängig vom Geschlecht sowohl zum Schlafen als auch unter der Oberkleidung trug. Das Hemd war gewöhnlich aus Leinen genäht, was hervorragend Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dadurch blieben sowohl der Körper als auch die teurere Oberbekleidung länger sauber.

Natürlich gibt es verschiedenste Varianten, so ein Hemd zu nähen, die Grundkonstruktion ist aber meistens ähnlich. Ich habe mich für ein Schnittmuster entschieden, bei der der Stoff maximal ausgenutzt wird. Stoff war früher ein teurer Rohstoff, teilweise sogar selbst gewebt, da will ja nichts verschwenden. Das Hemd besteht grundsätzlich aus zwei langen Rechtecken, nochmal zwei Rechtecken für die Ärmel. In die Ärmel werden zwei quadratische Zwickel eingesetzt, um die Beweglichkeit zu erhöhen. Zwei dreieckige "Geren" in den Seitennähten erhöhen die Saumweite. Die Geren werden dabei auch aus einem Rechteck heraus geschnitten.

Wenn dich das Thema interessierst: mein Schnittmuster kannst du dir im Schnittmacher herunterladen. Verschiedene Abwandlungen sind möglich, so können die Ärmel gekürzt oder auch an den Handgelenken verschmälert werden. Die Geren können auch an das Hauptteil angeschnitten werden. Der Halsausschnitt ist bewusst klein gehalten, vergrößere ihn einfach so wie er zu deiner Gewandung passt.

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Mittelalterliches Hemdkleid "Primula"

"Primula" ist einem mittelalterlichen (Unter)hemd nachempfunden und ist eine Grundlage für Gewandungen oder Kostüme.

Schwierigkeitsgrad:

Ich habe mein Hemd wie gesagt komplett per Hand genäht. Die Nähmaschine tut es natürlich auch. Mein Stoff ist ein Leinen/Baumwolle Mix. Der Schnitt besteht wie gesagt nur aus Rechtecken. Da habe ich mir die Mühe gespart, den kompletten Schnitt auszudrucken und zusammenzukleben. Auf dem Schnitt sind die einzelnen Längen angegeben, ich habe also nur die Druckvorschau ausgedruckt und die Zahlen nochmal nach geschrieben, die Schrift war im Ausdruck doch etwas klein.

Damit ich nachher schöne gerade Säume nähen konnte, habe ich die Rechtecke so genau wie möglich entlang der Fänden ausgeschnitten. Dazu habe ich mit die jeweiligen Werte markiert und an diesen Stellen einen einzelnen Faden herausgezogen. Das ergab eine schöne gerade Kante, an der ich schneiden konnte.

Das ist aufwendig, die Fäden reißen leider gerne mal. Aber es lohnt sich und ist eine authentische Arbeitstechnik.

Zuerst gabe ich die Geren vorbereitet. Für jede Gere wurde ein Rechteck zugeschnitten und dann diagonal geteilt. Eines dieser Dreiecke wurde gedreht, und die beiden etwas kürzeren Seiten wurden zusammen genäht. So entstanden zwei gleichseitige Dreiecke. Die schräg geschnittenen Kanten lagen außen und wurden später in das Hauiptteil eingesetzt.

Dann habe ich die Zwickel in die Ärmel eingesetzt. Okay, den ersten Zwickel habe ich erstmal falsch rum eingenäht. So eine Handnaht ist erstaunlich stabil, vor allem wenn man sie wieder auftrennen muss...

Richtig ist es jedenfalls so, wie im Bild zu sehen: Zwei Kanten des Zwickels sind an den langen Kanten des Ärmels angenäht, so dass die Ärmelnaht in ein Dreieck ausläuft.

Irgendwie ist das total schwer zu erklären. Wichtig ist, dass die beiden Kanten des Zwickels nebeneinander liegen und die offene Kante zum Ende des Ärmels zeigt. So entsteht unter dem Arm etwas mehr Weite.

Die beiden anderen Seiten des Zwickels wurden entsprechend in die Seitennähte des Hauptteils genäht.

Leider muss ich gestehen, dass ich nicht sehr viele Fotos beim zusammennähen gemacht habe. Grundsätzlich ist der Ablauf beim Zusammennähen aber so:

  • Zwickel in Ärmel einsetzen und Ärmel zusammennähen
  • Schulternähte schließen
  • Ärmel einsetzen
  • Geren zusammensetzen und in Seitennähte einsetzen (Die Geren beginnen in der Taillie)
  • Säumen (Rollsaum am Aussschnitt, 2cm breite Säume mit untergeschlagener Nahtzugabe an Ärmeln und unterem Saum)

Ich habe hauptsächlich mit einem Rückstich genäht, das ergibt eine sehr haltbare Naht, die zumindest von einer Seite wie die einer Nähmaschine aussieht. Die Nahtzugaben habe ich als Kappnaht verarbeitet, also immer eine Seite zurückgeschnitten, die anderen darüber gefaltet und festgenäht. Mal sehn, ob ich das nochmal ausführlicher dokumentiere. Sehr hilfreich fand ich es übrigens, den Stoff an einem Kissen festzustecken. Das ist wie eine dritte Hand, die den Stoff festhält.

Das war es erstmal für den ersten Teil meiner Gewandung. Wie sieht es bei dir aus, hast du schonmal etwas "Historisches" genäht?

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